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Was ist ein Kellerschenken?
Die Geschichte der Privat Keller in der Berner
Altstadt
Die
Berner Altstadt-Keller erlebten in den letzten Jahren eine
Art Renaissance. Was nach der Blütezeit der Kellerwirtschaften
im "Ancien Régime" in Staub und Gerümpel
versank, ersteht heute zaghaft in neuen Arten und Formen;
zaghaft deshalb, weil gewisse Behörden die kulturellen,
gesellschaftlichen und touristischen Möglichkeiten, welche
in den noch kaum genutzten Gewölben der Berner Altstadt
schlummern, nicht erkennen wollen oder können und nur
das wirtschaftliche Argument an Zugkräftigkeit gewinnt.
So sind gegenwärtig vor allem Verkaufsgeschäfte,
welche die Kellerlokalitäten in den Hauptgassen mit Beschlag
belegen, und weniger kulturelle und kulturpolitische Institutionen.
Wird doch bis zur Stunde die Subkultur des bernschen Kellerlebens
- seit dem 19. Jahrhundert erlebt und getragen durch die Jugend,
durch Künstler, Literaten, Studenten, Individualisten
und Progressisten - als "Kellerblüten in leicht
anarchischem Klima" (Markus Kutter) offiziell eigentlich
nur geduldet.
Wie keine anderen Räume in Bern waren die "verlassenen
Kellerschenken" in der Altstadt dazu ausersehen, zum
Schauplatz privater Vergnügen und Vergnügungen zu
werden. Seit jeher bilden die Altstadt-Keller geradezu ideale
Zufluchtstätten für all jene und all das, was in
der bürgerlichen Ordnung keinen Platz findet. Die Geschichte
der Privat-Keller ist deshalb eine unaufhörliche Reihe
von Auseinandersetzungen zwischen alt und jung, Bürgertum
und Untergrund, Ordnungshütern und Individualisten. Lange
nicht überall hat man "Stätten des Lasters"
und "Quellen nächtlicher Ruhestörung"
als die kulturellen und subkulturellen Urzellen erkannt, aus
denen Bern seit Jahrzehnten seine besten Kräfte und Impulse
schöpft.
Klötzlikeller
Als letzter Zeuge einer feuchtfröhlichen Zeit ist der
Klötzikeller zu einer wahren Rarität in Berns Altstadt
geworden. Das heute komfortable und gemütlich eingerichtete
Lokal war 1635 nur eine von vielen Kellerwirtschaften, die
sich trotz ihrer äusserlichen Schmucklosigkeit - neben
Weinfässern ab es im Keller nur noch einige rohe Bänke
und Tische als Bequemlichkeiten - eines regen Zuspruchs durch
Handwerker und Landvolk erfreuten. Seit 1652 während
Jahrzehnten im Besitze der Patrizierfamilie von Mülinen,
die hier ihren Wein ausschenken liessen, weist die Pinte eine
geradezu klassische Vergangenheit auf. Aus welch glücklichen
Umständen sie der neuen Ordnung im Staate Bern 1846 nicht
zum Opfer fiel, können wir nur vermuten. 1838 zeichnete
noch ein Hauptmann Heinrich Fischer als Besitzer des Kellers.
Dieser wurde jedoch bereits 1847 durch den bürgerlichen
Konditoreibesitzer Niklaus Klötzli abgelöst. Haben
wir es dem Zuckerbäcker und dessen Beziehungen zur neuen
Regierung zu verdanke, dass der Klötzlikeller nicht wie
die anderen zweihundert Kellerschenken aufgehoben wurde? Wir
wissen es nicht. Was wir aber sicher wissen, ist die Tatsache,
dass sich das Lokal bald grosser Beliebtheit erfreute. Nach
1885 verkehrten bei den geschätzten Elise und Rosa Klötzli
bereits Künstler, Wissenschafter, Architekten und andere
Leute mit Geist und von Rang. Und seit dieser Zeit führten
in ununterbrochener Folge Frauen das Regiment im Klötzlikeller,
die ganz wesentlich zu seiner heimeligen Atmosphäre beigetragen
haben.
Rosen auf Pump
Im Schweizer Film "Rosen auf Pump"
wurde eine Szene in einem Berner Altstadt-Keller gedreht.
Die Rolle als Tummelplatz zwielichtiger und zweifelhafter
Elemente, die man den Privat-Kellern gerne zuschiebt, entspricht
jedoch nicht der Wirklichkeit.
Batman
Typisch für viele Privat-Keller ist der Privat-Keller
mit dem Namen "Batman". Er dient hauptsächlich
als Übungslokal für eine Beatband. Um die Miete
herauszuschlagen, vermietet man den Keller Abendweise als
Party-Lokal. Typisch sind auch die Batman-Besucher, vor allem
Gymnasiasten/ Innen, Lehrlinge / Töchter, und Studenten
zwischen 18 und 24. Reklamationen der Anwohner wegen Nachtlärms,
oft das rasche Ende solcher Keller, konnten bis jetzt auf
friedlichem Wege beigelegt werden.
Heimweh-Seebären
Die Funktion eines Schalldichten Clublokals
erfüllt ein Privat-Keller an der Gerechtigkeitsgasse.
Wöchentlich einmal treffen scih hier eine Handvoll "Heimweh-Seebären",
alles Männer, die eimal zur See gefahren sind, zu einem
gemütlichen Umtrunk.
Künstlerische Atmosphäre
In künstlerischer Atmosphäre und
unter sachkundiger Anleitung die schöne Kunst des Malens
zu erlernen, ist der Wunsch der Hobbykünstler, die sich
in diesem bemerkenswert schönen Altstadt-Keller versammeln.
Ihre Tätigkeit ist ein Beispiel dafür, wie vielfältig
die Möglichkeiten zur sinnvollen Benutzung der prächtigen
Keller unter den Lauben Berns eigentlich doch sind.
René Simmen
Bereits 1950 gab der Galeriebesitzer René
Simmen Anstoss zu einer Untergrundkultur. Aus seiner Kritik
an der herkömmlichen Kunst formulierte er die Forderung,
dass Kunst zu einem Bestandteil des Lebens überhaupt
werden sollte. Sein Versuch in der Galerie Simmen Diskussion,
Theater und Kunstausstellung zu vereinigen findet Jahre später
noch Anhänger wie in der Junkere 37. Dort kamen auch
Leute wie Friedrich Dürrenmatt, Konrad Farner; Adorno,
Markus Kutter, Hans Zulliger, Arthur Villard und René
E. Mueller. Für Sergio Golowin ist die Untergrund Bewegung
nicht eine international koordinierte Bewegung, sondern aktive
Tradition. Besonders wichtig erscheint ihm deshalb das Studium
der volkstümlichen Kultur und deren unverfälschte
Originalität. Aus diesem Grunde wurden im Keller auch
alte Leute angehört, die noch aus ihren früheren
Erinnerungen und Erfahrungen schöpfen konnten und hier
zum ersten Mal ernst genommen wurden.
Die Rampe
In der nächtlichen Kramgasse ist der Eingang
der Rampe weithin kenntlich durch den Baldachin über
der steilen Kellertreppe. Ein kleiner Vorraum dient als Garderobe.
Im Hauptgewölbe wird die Quadratische Bühne in der
Ecke auf ihren zwei freien Seiten von den ansteigenden Zuschauerreihen
flankiert. Die nicht unbedingt bequemen Sitzplätze, wie
auch sonst die Rampe ein unbequemes Theater ist: hier wird
experimentiert, manifestiert, protestiert und an Tabus gerührt.
Das wurde 1960 schon am ersten Abend der Rampe klar: "Manifest
für den Luxus" war eines der ersten Happenings überhaupt
und dauerte ganz 48 Stunden.
Vogue
Berner Altstadt-Keller sind nicht nur fotogen, sie haben auch
Talent zur Mode. Boutique Vogue ist vor allem eine Attraktion
für die junge und Junggebliebene Generation. IN modischer
Ambiance sucht und probiert man aparte Modelle mit den passenden
Accessoires. "En voque" sind sie, alle die Kleidchen
aus Italien, Deutschland, England, Frankreich und der Schweiz.
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